oder wie Wolken leicht zu Spannungen führen können

Da wir unseren Strom ausschließlich selber über unsere Solaranlage herstellen, haben wir inzwischen gelernt, wie abhängig wir vom Wetter bzw. vom Sonnenschein sind. Denn ohne Sonne keinen Strom.

Wie das in der Praxis aussieht möchte ich in diesem Beitrag erklären.

Unsere Solaranlage besteht aus 6 Solarpanelen, welche aufgrund baulicher Gründe nicht ganz optimal ausgerichtet sind. Sie fangen die Sonnenstrahlen vor allem Vormittags bis Mittags auf. Weiterhin haben wir 12 Batterien und einen 3000 Watt Inverter. Unsere Anlage ist auf 24 Volt ausgelegt. Wenn die Batterien geladen sind, haben wir laut Auskunft des Installateurs eine Reserve von 4 Tagen a 4000 Watt Nutzung. Zuletzt hatten wir Ostern so viele Tage hintereinander schlechtes Wetter, so das kein frischer Strom in die Batterien floss, die haben wir gut überstanden. Jetzt in der letzten Woche hatten wir nach einem heißen und sonnigen Sommer ebenfalls 4 Tage hintereinander dicke Bewölkung, tja und als ich die Waschmaschine anstellte, fiel der Strom aus und der Melder „low battery“ blinkte an unserem Inverter. Irgendwie habe ich die Tage nicht mitgezählt und auch nicht besonders darauf geachtet, wie der Himmel nun aussah. Gerade jetzt wo ich diese Zeilen schreibe, befinden wir uns wieder in einer Schlechtwetterfront, wobei ich dieses Mal etwas entspannter bin, denn vormittags, also in der für uns wichtigen Zeit, war der Himmel immer wolkenlos und sonnig. Somit habe ich gleich heute morgen schnell die Waschmaschine nochmal gestartet und die Wäsche draußen getrocknet, bevor das Unwetter ab 19 Uhr wieder zu uns kommt.

Was es bedeutet, einen 3000 Watt Inverter zu besitzen, möchte ich hier auch kurz erklären. Unser Inverter ist vereinfacht erklärt dafür da uns die Spannung ins Haus und in die Steckdosen zu schicken. Wir haben ganz normale 220 Volt in unseren Steckdosen, so dass ich alle Geräte normal nutzen kann. Halt! Nicht alle. Unseren Wasserkocher musste ich eintauschen gegen einen Kessel auf dem Gasherd, denn nachdem unser Wasserkocher einen Stromausfall produziert hat, (die Overloadlampe am Inverter machte sich bemerkbar) habe ich mal unter das Gerät auf die Plakette geschaut. Da stehen tatsächlich 3000 Watt drauf!!! Und da ich insgesamt nur 3000 Watt zur Verfügung habe, musste er leider gehen. Alle Geräte, die etwas aufheizen sind heikel und verbrauchen viel Watt. Fön, Trockner, Wasserkocher, Toaster, Dampfbügeleisen etc. Meinen Fön habe ich auch verdammt und lasse meine langen Haare jetzt nur noch lufttrocknen. Der Toaster ist eingemottet und das Brot wird, wenn gewünscht, kurz auf dem Gasgrill getoastet.

Und insgeheim musste ich wirklich schmunzeln, denn was waren wir alle stolz, als wir die bösen Glühbirnen mit 40, 60 oder 100 Watt gegen die viel besseren 5 Watt LED Birnen getauscht haben. Eigentlich lächerlich, wenn man bedenkt, was für Stromfresser sonst noch so im Haus sind.

Meine Bügelstation ist auch so ein Kandidat. Ich liebe sie wirklich sehr, denn damit ist das Bügeln echt einfach, aber 2500 Watt bedeuten auch, dass wenn Mutti bügelt, alles andere ausgeschaltet wird. Das heißt, ich muss warten bis die Poolpumpe fertig gelaufen hat, es darf keiner Wasser aus der Leitung nehmen, weil sonst die Wasserpumpe anspringen könnte und auch die Kaffeemaschine muss dann ausgeschaltet sein.


Klingt dramatisch, ist allerdings eine Sache an die man sich schnell gewöhnt. Jetzt bügel ich eben immer mit Ansage. Leider kann ich nicht ganz darauf verzichten, da mein Mann auf der Arbeit Hemden tragen muss und diese sind leider nicht bügelfrei.

Den Trockner benutze ich auch selten, eigentlich nur manchmal, wenn die Sonne scheint, um die Tierhaare aus der Wäsche zu bekommen, denn dafür ist er hervorragend geeignet und da reichen oft 15 Minuten. Da hier immer Wind ist und ich im Notfall die Wäsche auch in der Garage aufhängen kann, brauche ich ihn jedenfalls nicht mehr zum Trocknen.

Bei neuen Geräten, die angeschafft werden müssen, wird jetzt mehr denn je auf Energieeffizienz geachtet und meine Wäsche wasche ich meistens nur im Kurzprogramm, denn so richtig verdreckt ist sie selten.

Haben wir mehrere Tage keine Sonne achten wir jetzt schon von Anfang an darauf, nicht zuviel die Stromfresser zu benutzen. Also keine Pizza aus dem Backofen ( wir machen Sie dann statt dessen im Gasgrill und ein Steinbackofen ist das nächste Ding auf meiner Agenda), Mikrowelle ist zwar in der Küche vorhanden, wird aber eher weniger genutzt und auch achten wir sehr darauf, das kein Licht in Räumen an ist, wo sich niemand aufhält oder das Geräte angeschaltet sind, ohne das man sie nutzt.

Den Staubsauger nutze ich nur noch ganz selten, dieser soll noch gegen einen Akkusauger ausgetauscht werden. Statt dessen ist der gute alte Besen wieder eingezogen. Wie gut, das ich in allen Zimmern nur Fliesen habe.

Sollten alle Stricke reißen und wir wirklich ganz lange schlechtes Wetter haben, haben wir noch einen Benzingenerator in der Garage stehen. Dieser lädt ebenfalls die Batterien auf, allerdings sehe ich den wirklich nur als Notfallversorgung an, denn Benzin zu verbrennen, um Strom zu haben sehe ich nicht wirklich als umweltfreundlich an.

Weißt du, wo in deinem Zuhause die Stromfresser sind? Hast du dir überhaupt schon einmal Gedanken gemacht, wie viel Watt einzelne Geräte so ziehen?

All diese Gedanken und Bedenken zum Strom sind eigentlich erst gekommen, als er nicht mehr unendlich aus der Steckdose gekommen ist. In dem Mietshaus vorher habe ich mich zwar immer über die Stromrechnungen geärgert, habe zwar auch darauf geachtet, das das Licht ausgeschaltet wird und der Fernseher nicht unendlich läuft, aber ich habe dort zum Beispiel mein heißes Wasser mit einem Elektroboiler hergestellt. Und dieser war nach 5 Jahren sehr verkalkt, so das dieses Gerät sicher auch ohne Ende Strom verbraucht hat.

Derzeit machen wir unser warmes Wasser mit einem Gasgeysir. Die Flasche, die an Herd und Geysir angeschlossen ist hält in der Regel etwa 1 – 1,5 Monate und derzeitig zahle ich knapp 14€ für eine Gasflasche. Ich finde durchaus überschaubare Kosten. Ein Traum wäre es natürlich, auch das warme Wasser nur über die Sonne herzustellen, aber das ist etwas aufwendiger und auch teurer, denn dazu benötigt es auch einen guten Warmwasserspeicher, da man ja morgens duschen will, wenn die Sonne noch nicht scheint. Langfristig werden wir uns dafür aber sicher eine Lösung einfallen lassen, denn günstiger als mit Sonnenenergie kann man das Wasser nicht aufheizen.

Alles in allem bin ich trotzdem froh über den Wechsel. Ich habe 100% Ökostrom von der Sonne und auch wenn er jetzt etwas begrenzt ist, ist mir das doch viel lieber als die Abhängigkeit von den Stromversorgungsunternehmen und der Machtlosigkeit gegen Preiserhöhungen. Wir planen auf lange Sicht unsere Anlage noch zu vergrößern, indem wir weiter Solarpanelen dazu bauen, die dann anders ausgerichtet sein sollen und auch einen zweiten Inverter um die Maximalspannung zu erhöhen. Eventuell auch ein neuer Generator, der sich automatisch einschaltet, wenn die Batterien zu leer werden. Das wollten wir ursprünglich gleich nach dem Einzug machen, aber wir sind so gut mit dem bisherigen Strom ausgekommen, das die „Not“ nicht gegeben war. Wir haben auch darüber nachgedacht, zusätzlich ein Windrad zu installieren, aber da diese noch recht teuer im Vergleich zur Stromausbeute sind und Lärm verursachen sind wir davon vorerst wieder abgekommen, denn wir haben das Glück in einer Gegend zu wohnen, in der an 300 Tagen im Jahr die Sonne scheint.

One thought on “Gute Zeiten – Schlechte Zeiten”

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