Ich gebe zu, der Titel ist provokant gewählt. Jeder hat die Videos der „Aussteiger“ bei Youtube & Co gesehen, die einfach aus dem „normalen Leben“ ausgestiegen sind und dann mit wirklich den einfachsten Mitteln leben. Das kannst du dir sicher nicht vorstellen, so ohne Wasser aus der Wand, so ohne Strom und ohne Briefkasten.

Eigentlich wollte ich das aber irgendwie doch und da wir das Leben gestalten, wie wir es uns wünschen, leben wir nun seit einem guten halben Jahr autark. Allerdings nicht ganz so krass wie meine Kollegen aus dem Internet, für die ich inzwischen jede Menge Bewunderung aufbringe, denn ein Leben ohne die Vorzüge von fließendem Wasser und Strom ist oft hart, auch wenn es romantisch klingen mag. Ich kenne einige und weiß inzwischen auch, mit welchen Nachteilen ein solches Leben verbunden ist.

Der Wechsel vom „Normalo-Leben“ zum autarken Leben muss allerdings nicht unbedingt so krass sein. Es geht auch etwas gemäßigter, was nun unser Weg ist.

Ja wir haben keinen Wasseranschluss, keinen Abwasseranschluss, keinen Anschluss ans öffentliche Stromnetz, keine Adresse und keinen Briefkasten, keine Telefonleitung. Aber wir haben einen Brunnen, der so angeschlossen ist, das das Wasser doch aus dem Hahn kommt, eine Kleinkläranlage, eine Solaranlage für den Strom und das Internet kommt per Satellit zu uns und für das Telefonieren haben wir Handys.

Aber ich merke, das wir uns sehr verändern. Was früher selbstverständlich und bequem war, wird heute immer mehr in Frage gestellt und ersetzt durch viele Kleinigkeiten, die umweltbewußter sind. Ich weiß in der heutigen Zeit gibt das keiner mehr öffentlich zu, aber wir haben vorher ganz normal gelebt, Müll produziert und beim Kauf von Reinigungsmitteln und Waschmitteln habe ich nie darauf geachtet, ob sie biologisch abbaubar waren. Jetzt muss ich das, da das Abwasser in meine Kläranlage läuft.

Und diese Veränderung finde ich immer besser, je mehr ich die Wandlung in mir bemerke. Sagte doch vor ein paar Tagen ein alter Bekannter zu mir, „hey seit wann bist du denn so grün geworden?“ – Ich denke die Umstände verursachen hier die Wirkung. Wo ich früher an den Pflanzen beim Spaziergang vorbei gelaufen bin – ja doch die Schönheit habe ich schon wahrgenommen – suche ich jetzt per App nach dem Namen und dem Nutzen der Pflanze.

Wo ich früher die Blumen nach Schönheit ausgesucht habe, suche ich jetzt, ob es einheimische oder invasive Pflanzen sind und ob ich sie nur anschauen oder auch für irgendetwas nutzen kann.

Es werden Dinge so unwichtig, die früher wichtig waren und umgekehrt und ich muss ehrlich gestehen, mir gefällt dieser Wechsel unglaublich und ich merke, das wir noch lange nicht am Ziel angekommen sind, denn da kommt noch ganz viel.

Autark leben ist für mich Leben im Einklang mit der Natur. Und irgendwie ist es auch Leben im Einklang mit mir selbst. Selbst die Art zu denken oder zu reagieren verändert sich und „Freunde“ werden dem neuen Lebensstil angepasst. Was ich früher oft akzeptiert habe (nach dem Motto Leben und leben lassen) akzeptiere ich nun nicht mehr. Raus aus der Komfortzone, auch mal unbequeme Fragen stellen und je nach Antwort daraus die Konsequenzen ziehen.

Geplant war dieser Blog ja eigentlich um die Ideen zu meinem Traumhaus aus Erde zu sammeln inkl. allem was dazu gehört. Utopie eben.

Nun haben wir das Haus bereits und es ist hier nicht möglich neu zu bauen. Aber nur weil die Hülle steht, sterben ja nicht die anderen Ideen.

Wenn du mir auf diesem Weg folgen möchtest, freue ich mich darüber. Ich werde ganz sicher nicht nur das autarke Leben behandeln, sondern auch noch eine extra Rubrik für die persönliche Entwicklung hinzufügen.

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